Weichen stellen

Die Weichen werden neu gestellt

Ein Kommentar zur Novelle der nichtärztlichen Therapieberufe

Es mag fast wie ein Schnellschuss anmuten wenn wir lesen, dass Minister Spahn noch im März einen Konsens auf Bundes- und Länderebene über die über die künftige Ausbildung von Therapeuten der Heilmittel und ihre künftige Rolle im Gesundheitssystem erreichen möchte.

Doch bereits bei der Vorbereitung des TSVG konnten gerade wir Therapeuten erleben, wie ernst es der Bundesgesundheitsminister mit uns Therapeuten meint. Als geradezu Umsetzungsstark konnten wir ihn erleben und die Ergebnisse können sich für viele Kolleginnen und Kollegen sehen lassen. Das Gleiche halte ich auch bei der nun anstehenden Novelle für möglich.

Bei einer weichenstellenden Novelle geht es um mehr

Bisher ging es in den Gesetzgebungsverfahren um die Rahmenverträge und die Vergütung von Therapeuten. Jetzt sind die Ausbildung und deren Einordnung im Bildungssystem (akademisch/fachschulisch) und die künftige Rolle im Gesundheitssystem im Visier der Gesetzgebung. Hier heißt es Stellung zu beziehen und klar zu formulieren, wo wir Therapeuten künftig stehen wollen. Wollen wir mehr Verantwortung übernehmen und künftig unsere Disziplinen selbst vertreten? Wollen wir aus dem Schatten der Ärzte treten und eigenständig verantworten, was wir tun und wie wir es tun? Hier wird es zeitnah notwendig sein, repräsentative Meinungsbilder einzuholen und sie nach Berlin und in die Länder zu senden.

Die Blankoverordnung war ein Schritt in die richtige Richtung

Mit der geplanten Blankoverordnung geht ein Signal in die Öffentlichkeit, das wir nicht unterschätzen dürfen: „Therapeuten können über ihr Handeln selbst entscheiden.“ Dieses Signal findet in der Blankoverordnung nur eine erste Realisierung. Selbst der Direktzugang wäre möglich. Denn die Erteilung des sektoralen Heilpraktikers nach Aktenlage, wie sie in einigen Bundesländern bereits Anwendung findet, macht klar: „In der Patientenversorgung kann man auf unsere Entscheidungskompetenz setzen.“

Akademisierung nicht zum Streitpunkt machen

Die grundständige Akademisierung der Therapieberufe ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Daran ändert auch die Zahl der bereits jetzt akademisch ausgebildeten Therapeuten nur wenig. Denn der Zugang zur Berufsausübung ist heute noch durch die jetzigen Berufsgesetze geregelt, die eine fachschulische Ausbildung vorsehen.

Jetzt dafür zu plädieren, dass eine Vollakademisierung der Therapeuten eine Art Grundvoraussetzung für eine erweiterte Übernahme von Verantwortung im Gesundheitssystem sei, torpediert die bisher errungenen Erfolge.

Dass den Therapeuten schon heute eine wichtige Rolle im System der Patientenversorgung zuteil wird, sollte uns aus dem Mangel der fachschulischen Kompetenzbegrenzung aufwecken. Diese gibt es nicht. Wir leisten schon heute unseren Beitrag und dieser findet Gehör in der Politik. Dieses Gehör kann man durchaus als Respekt vor unserem Beitrag verstehen und den dürfen wir auch annehmen.

Ob wir diesen Beitrag in seiner Ergebnisqualität künftig durch eine Vollakademisierung steigern können, werden die Auswertungen der Modellvorhaben zeigen. Bis dahin dürfen wir die Wahrnehmung unserer Berufe durchaus aus der jetzigen Situation heraus begründet wissen dafür eintreten, dass unsere Rolle im Gesundheitssystem einen Status erhält, der unserer Wirksamkeit gerecht wird.

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